"Welche Trends sich in der österreichischen Gegenwartsliteratur denn abzeichnen, werde ich als Kurator immer aufs neue gefragt. Auch für die neunte Auflage der O-TÖNE kann ich sagen: Gott sei Dank keine. Das ist eine gute Nachricht. Es spricht durchwegs für das ästhetische und demokratische Sensorium der lesenden Öffentlichkeit, dass es niemandem mehr gelingt, den Diskurs so zu dominieren oder den Zugang zu den Institutionen literarischen Lebens so zu monopolisieren, dass der Blick auf einzelne Stilrichtungen, Gruppierungen, Erzählhaltungen verengt würde. Die Diversifikation der Lebenswelten findet daher ihre erwartbare Entsprechung in der Auffächerung unterschiedlicher Schreibweisen. Die zehn diesjährigen O-TÖNE Lesungen mögen dafür gutes Zeugnis abgeben.
Unterschiedlicher als bei Friederike Mayröcker (87) und Cornelia Travnicek (25) etwa können die Erfahrungshorizonte und ästhetischen Prägungen von zwei Menschen, die in ein- und derselben Gesellschaft leben, kaum sein. Raoul Schrott und Wolf Haas dagegen gehören zwar der gleichen Generation an, ihre Bücher aber sind so verschieden, als kämen sie aus zwei Galaxien, die noch nie voneinander gehört haben. Bei Julya Rabinowich und Milena Michiko Flašar schließlich schimmert der sogenannte Migrationshintergund nicht nur in den Namen durch. Mit Walter Grond und Lilian Faschinger lesen zwei AutorInnen erstmals bei den O-Tönen, die seit Jahrzehnten etablierte Größen der heimischen Literaturlandschaft sind, während Olga Flor und Clemens Setz bereits zum wiederholten Mal ihre neuen Bücher im MQ präsentieren." (Thomas Keul, Volltext)


Konzept und Realisierung: Gabriela Hegedüs und Christoph Möderndorfer, O-TÖNE
Kontakt: office[at]o-toene.at, Tel. 0660-8123637
Programmauswahl: Thomas Keul, Volltext
Kontakt: thomas.keul[at]volltext.net

Eine Kooperation mit dem MuseumsQuartier Wien.